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Jedes Jahr kommen neue Arten an die deutsche Küste. Hier halten wir Sie auf dem Laufenden!

 

 

Die auch als "Gestreifte Wanderanemone" bekannte Diadumene lineata schein von den warmen Temperaturen besonders profitiert zu haben. Jedenfalls war sie im Kieler Hafen in diesem Sommer massenhaft zu finden, wie Mitarbeiter des LLUR SH melden. Diese erst seit 2011 in der deutschen Ostsee gefundene, kleine (ca. 3 cm) Anemone ist schon länger in der Nordsee zu finden (1920) und gilt als der vermutlich weltweit am weitesten verbreitete Vertreter der Aktinien. Fotos von F. Hoffmann, vielen Dank!

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Mitglieder des BMVI-Expertennetzwerk am BSH bitten uns und Sie um Mitarbeit bei einer Online-Umfrage. Mit dem Fragebogen (5 - 10 min) möchten die Kollegen erfahren, inwiefern die Problematik der invasiven Arten bekannt ist, welche wasserlebenden gebietsfremden Arten Probleme bereiten, ob Maßnahmen dagegen getroffen werden und ob diese erfolgreich sind (link hinter dem logo links).

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Das Rätsel um den kleinen Sabelliden (s.u.) ist gelöst. Bei dieser in kurzem zeitlichem Abstand in Holland, Estland und bei uns im Nord-Ostseekanal und in Hamburg neu gefundenen Borstenwurm handelt es sich um eine bisher nicht bekannte Art, die jetzt unter dem Namen Laonome xeprovala sp. nov. von Prof. Dr. A. Bick und Dr. R. Bastrup in Rostock beschrieben wurde. Genetische Untersuchungen zeigten, dass diese Laonome-Funde eng miteiander verwandt sind und vermutlich auf ein einziges Einschleppungereignis zurückzuführen. Als weiterer Fundort kommt sogar noch die Münding des Don in das Asow´sche Meer hinzu. An allen bekannten Orten hat sich die Art rapide ausgebreitet und damit das Potential, die heimische Bodenfauna erheblich zu beeinflussen. Ein Rätsel besteht aber weiterhin: wo kommt der Wurm her?

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Neu erschienen im Herbst letzten Jahres ist eine Liste der nicht-einheimischen Arten unserer Nachbarn, der Niederlande. Diese ist besonders interessant, weil hier potentielle neue Einwanderer, die mit den vorherrschenden westlichen Strömungen in den deutschen Teil der Nordsee verbreitet werden, zu finden sein könnten. Daher sei die Liste besonders den Kollegen, die dort Untersuchungen durchführen, ans Herz gelegt.

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Einen Nachtrag zu der kleine Qualle Blackfordia (s.u.) gibt es heute von Hiddensee. Möglicherweise wurde die Art bereits diesen Sommer im Vitter Bodden zwischen Hiddensee und Rügen gesichtet! Allerdings steht diese Meldung unter Vorbehalt, da die Kollegen der Biologischen Station Hiddensee (link) kein Material zur sicheren Bestimmung sammeln konnten. 

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Geradezu eine "Invasion" unbekannter Einsiedlerkrebse wurde in der Aussenjade beobachtet. Im Februar 2018 wurden an einer einzigen Station in 4 Greiferproben 19 Exemplare einer Art gefunden, die sich der Bestimmung mit gängigen Schlüsseln widersetzte. Bemühungen zur Identifikation der Art sind im Gange.

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Die Braunalge Colpomenia peregrina ist "endlich" auch an deutschen Küsten bei Helgoland aufgetaucht.

Ihr deutscher Name "Austerndieb" stammt von der Eigenschaft, gasgefüllte Blasen zu produzieren. Siedeln sich genügend Algen auf losen Zuchtaustern an, können sie, nachdem sie eine gewisse Größe erreicht haben, die Muschel zum Aufsteigen bringen und mit ihr "davonschwimmen". Diese schon früh in Europa eingeschleppte und weit verbreitete Art wurde schon irrtümlich für Deutschland gemeldet, aber erst im März 2017 hat sie unser Kollege Dieter Hanelt im nordöstlichen Felswatt identifiziert.

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In einem neuen Artikel (link) wird auf die Ankunft einer neuen Quallenart im Nord-Ostseekanal, aber auch in der Kieler Förde hingewiesen. Die Hydromeduse Blackfordia virginica wird im Englischen oft als "Black Sea Jellyfish" bezeichnet, aber ihre Herkunft ist keinesfalls klar. Es handelt sich um eine deutlich invasive Art, die auch u.a. in den USA, Südafrika und Indien gefunden wurde. Im Norden Frankreichs wurde sie bereits in den 50er und 70er Jahren beschrieben, im Guadiana Mündungsgebiet zwischen Spanien und Portugal um 2008. Unsere Nachbarn in den Niederlanden melden Blackfordia 2014 im Hafen von Amsterdam (alle Meldungen aus der AquaNIS Datenbank). Seit 2014 wurde sie erst vereinzelt und dann ab 2016 durchgehend in Planktonproben aus den Nord-Ostseekanal identifiziert und machte 2017 den Sprung in die offene Ostsee bei Kiel. Obwohl die Qualle recht klein bleibt (ausgewachsen ca. 14 mm Durchmesser), kann sie einen hohen Fraßdruck auf Zooplankton und Fischlarven ausüben und hat das Potential, auch kommerziell bedeutsame Fischbestände wie z. B. Hering negativ zu beeinflussen.

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Aus Belgien wird die Ankunft einer neuen Seepocke gemeldet (link). Balanus glandula ist eine robuste, kleine Art, die sich vor allem im oberen Intertidal künstlicher Hartsubstrate angesiedelt hat. Von der Pazifikküste Nordamerikas stammend ist sie bereits in Argentinien, Sudafrika und Japan "eingefallen" und gilt daher als invasive Art. 2015 wurde sie das erste mal an einem belgischen Forschungsschiff gefunden, 2017 war sie bereits weit verbreitet. Leider muss auch befürchtet werden, dass Balanus glandula über kurz oder lang an der deutschen Nordseeküste erscheinen wird. Um besondere Aufmerksamkeit wird gebeten, ein Bestimmungsschlüssel findet sich im Artikel hinter dem link.

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BioConsult Schuchardt & Scholle meldet für 2017 einen bisher für die Nordsee unbekannten Polychaeten aus der Familie Phyllodocidae, der im Gezeitenbereich der Wesermündung gefunden wurde. Die Art weist in ihrer  Merkmalsausprägung eine große Ähnlichkeit zu Hypereteone lighti (Hartman 1936) auf. Eine Beschreibung von H. lighti findet sich in Wilson (1988, Memoirs of the Museum of Victoria 49(2): 385-431). Die  taxonomische Bearbeitung des Polychaeten steht noch aus und damit die endgültige Artbestimmung und ob es sich dabei um ein Neozoon handelt. 

Es soll um verstärkte Aufmerksamkeit bei der Bearbeitung von Proben gebeten werden, in denen der Polychaet möglicherweise auftauchen kann. In diesem Fall bitten wir um eine Meldung an die Neobiota-Plattform.

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Dieser Neubewohner wurde ebenfalls beim Schnellerfassungsmonitoring (s. eRAS - link) im Sommer 2017 im Kieler Hafen gefunden. Es handelt sich um die Seescheide Styela clava, die sich aus dem Westpazifik stammend schon seit 1997 in der Nordsee angesiedelt hat. Das Auftreten in Kiel ist sehr ungewöhnlich, weil eigentlich der Salzgehalt in deutschen Ostseegewässern zu niedrig für diese Art sein müsste. Es bleibt abzuwarten, ob sie auf Dauer in Kiel überleben kann.

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Ein neuer Fund (August 2017) ist dieser kleine Ringelwurm aus der Gattung Laonome im Schleusenbereich von Brunsbüttel an der Elbe. Die noch nicht näher bestimmte Art wurde beim Rapid Assessment Monitoring im Brackwasser gefunden. Vermutlich ist die Art identisch mit Funden aus der östlichen Ostsee und möglicherweise auch mit Funden aus den Niederlanden. Genauere taxonomische und genetische Untersuchungen stehen noch aus. Der Meldung, dass sie bereits im vorigen Jahr im Nord-Ostsee Kanal aufgetaucht ist, wird momentan nachgegangen.

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Kooperation mit Senckenberg am Meer - Beginned 2017 wird uns die Senckenberg-Gesellschaft mit genetischen Untersuchungen der gefundenen Neobiota unterstützen. Genetische Methoden werden nicht nur bei der Identifikation von Arten immer wichtiger, sondern können auch Aufschlüsse über die Verbreitungswege der verschiedenen Populationen geben.

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Undaria pinatifida - Wakame

Diese ziemlich große Braunalge stammt aus dem westlichen Pazifik, wo sie große Bedeutung in der asiatischen Küche und Aquakultur hat.

 

Sie wurde an der deutschen Nordseeküste das erste Mal im Sommer 2016 während des Schnellerkennungsmonitorings in Hörnum auf Sylt gefundent. Die als invasiv gefürchtete Alge reist vermutlich vor allem als Blinder Passagier auf Schiffsrümpfen um die ganze Welt. Sie wurde bereits 2013 auf der Warnliste der Bundesagentur für Naturschutz (link) geführt; daher ist ihre Ankunft keine Überraschung. Eine weitere Ausbreitung in der Nordsee muss leider befürchtet werden.

 

Weltweit gilt Undaria als dominante Alge, die andere Arten verdrängt und Benthos-gemeinschaften verändern kann. Ausserdem verursacht sie hohe Unterhaltskosten in der Aquakultur, Fischerei und Schifffahrt. Solche negativen Effekte sind jedoch bisher aus unseren Breiten nicht bekannt geworden.

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© Kai Hoppe